Die Wende der Armbanduhr

Was haben Pferde mit einer genialen Uhrenerfindung zu tun? Der Zusammenhang ist gar nicht so weit hergeholt, wie man meinen möchte. Pferde werden gern beim Polo, einer Ballsportart, die englische Offiziere im 19. Jahrhundert aus Indien in ihre Heimat brachten, eingesetzt. Allerdings ist Polo nicht davon abhängig, dass Pferde vorhanden sind, denn es gibt auch Varianten wie das Elefanten- und das Kamelpolo, aber auch das Rad- und sogar das Kanupolo. Darüber hinaus sind weitere Ableger mit Pferden entstanden. Da wären etwa das Beach Polo und das Eispolo zu nennen. Das Wort Polo entstammt übrigens der Sprache der Balti und heißt schlichtweg Ball.

Die Freude über den Sport der in Indien stationierten britischen Kavallerie-Offiziere (Ulanen) wurde immer wieder dadurch getrübt, dass die Armbanduhren der Spieler aufgrund der harten Gangart und den gelegentlichen Bodenkontakten extrem in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die damals übliche Qualität der Kristallgläser war den Anforderungen nicht gewachsen.

Für die einfache Lösung, die Armbanduhr während des Spiels abzunehmen, hatten die Sportbegeisterten nur das bekannte „We are not amused“ übrig. Stattdessen hörte der ehemalige Goldzähne-Fabrikant César de Trey die Klagen der Polospieler, als er 1930 Indien bereiste. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits das Fach von der Zahntechnik zum Vertrieb von Uhren gewechselt. Dadurch konnte er sein Hobby „Weltenbummler“ mit seiner Arbeit „Handelsreisender“ verbinden. Hochgradig kreativ inspiriert kehrte er nach Europa zurück und besprach dieses Problem mit Fachleuten in Paris und im Schweizer „Tal der Uhren“ (Vallée de Joux; sozusagen das Silikon Valley für Uhrenmanufakturen).

Die Idee, eine Armbanduhr so zu bauen, dass das Uhrengehäuse gewendet werden kann und damit geschützt liegt, wurde in Form der Reverso, einem bis heute berühmten und mit Nachkommen gesegneten Uhrenmodell, von Jaeger-LeCoultre umgesetzt. Konkret war es der aus Paris stammende Mitarbeiter René-Alfred Chauvot, der – seines Zeichens Ingenieur – das entsprechende Patent am 4. März 1931 anmeldete.
Dahinter verbergen sich das Schweizer Erfindergenie Jaques-David LeCoultre (1875-1948; Enkel des Firmengründers Antoine LeCoultre, 1803-1881) und dem Franzosen Edmond Jaeger (1858-1922), die sich aufgrund einer Wette angefreundet hatten.

Heute braucht eigentlich keiner mehr eine Armbanduhr mit Wendegehäuse. Schließlich sind die Gläser bruchfest und die Uhrenwerke weitgehend stoßsicher. Und dennoch sind die Fans geblieben. Und auch wenn die Jugendsprache hier ein wenig falsch am Platz erscheint, so ist der lässige Fingerdruck für die Wende von Gehäusedeckel zum Zifferblatt einfach nur cool. Geschichtlich gesehen war die Reverso ein Förderer der Armbanduhr, die zusehends die Taschenuhr ablöste.



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